Zwischen Disposition und Dankbarkeit
- Selina Moser
- 29. März
- 4 Min. Lesezeit
Ich liebe meinen Job in der Busvermietung. Nirgends lerne ich mehr über mich selbst als im Alltag. Das ist ein Privileg - doch auch eine Sache der persönlichen Einstellung.
Tatsächlich hat man das Gefühl, dass die Arbeit, die man tagtäglich ausübt und mit der man sein Geld verdient, und die innere Arbeit, die oft "abgeschnitten" vom Rest des Alltags vonstatten geht, zwei getrennte paar Schuhe sind.
Zum Teil ist es wirklich eine Gratwanderung: Schliesslich geht es um Geld, Geld ist Energie, und oft ist Geld mit Ängsten und Druck verbunden. Dabei noch an unsere innere Entwicklung und an das Mitgefühl unter den Menschen zu denken, geht manchmal unter.
Warum Berufliches und Persönliches sich gegenseitig bedingen, weshalb vieles mit Innehalten zu tun hat, und wie wir vielleicht auch unsere Beziehung zum Geld verändern können - darum geht es in diesem Beitrag.

Mitten im Trubel Mensch bleiben
Die Reisebranche ist ein People-Business, das viel zwischenmenschliche Kompetenz und Fühlen abverlangt: Was will der Kunde? Wie geht es dem Mitarbeiter? Wird der Fahrer genügend abgeholt?
Als Stationsleiterin gebe ich auch operativ Vollgas und führe meine Station in Bern. Jeden Tag organisieren wir Transfers, Fahrten, Zeiten und finden gemeinsam mit dem Team, Fahrern und Partnern Lösungen für unsere Kundschaft.
Wir offerieren, verhandeln, schreiben Fahraufträge, rechnen ab, besorgen Catering, übergeben Busse an die Kundschaft, und putzen auch mal einen Bus. Manchmal schreiben wir Offerten, bedienen Kunden am Telefon, der Fahrer am Schalter wartet, und eigentlich war man zuvor mal an einer Abrechnung für den Bund. Ja, und vielleicht hat das wichtige Meeting unterdessen längst begonnen.
Da kann es schnell mal viel werden, und Multitasking ist kein nettes Must-Have, sonder eine rigorose Anforderung. Die dreissig offenen Tabs wirken dann manchmal wie ein Spiegel dessen und laden (wenn man nicht gerade zu sehr im Druck ist) zum Schmunzeln ein.
Es ist jedoch nicht immer so. Wie viele andere Branchen leben wir in Extremzuständen: Einerseits geht es in der Hochsaison zwischen Mai und September abartig zu und her, während in der Nebensaison viel weniger läuft. Das kann einem liegen oder nicht, jedoch finde ich, dass etwas Wichtigeres damit zusammenhängt als die persönlichen Präferenzen.
Und zwar geht es m.E. darum, inmitten des Trubels oder der Leere - je nach dem -, nicht zu vergessen, dass wir Menschen sind, keine Maschinen, und dass uns jede Herausforderung auch innerlich etwas näher an uns selbst bringt.

Dankbarkeit im Alltag kultivieren
Es gibt einen bekannten Gedanken von verschiedenen Weisen - wer das sagte, weiss ich gerade nicht, jedoch lautet er sinngemäss wie folgt: Wenn du nicht liebst, was du tust, dann tu, was du liebst.
Das bedeutet im weitesten Sinne, dass es oft eine Rolle spielt, wie unsere innere Haltung der Arbeit gegenüber ist - weniger, was es genau ist. Es heisst weiter, dass wir nicht immer wählen können, was wir tun, jedoch können wir uns jederzeit dazu entscheiden, es trotzdem zu lieben. Es hat mir schon oft geholfen, mir das vor Augen zu führen. Das Leben besteht aus Dingen, die einfach gemacht werden müssen.
Seien wir ehrlich: wenn wir etwas jeden Tag tun, verliert es an Reiz, weil es normal wird. Machen wir mal eine längere Pause oder tun wir etwas nur noch selten, kommt die Begeisterung zurück - nun, ausser etwas entspricht uns wirklich nicht. (Das ist dann eine andere Geschichte.)
Bleiben wir kurz bei der Idee, dass uns etwas eigentlich Freude bereitet, dies jedoch aufgrund der Alltäglichkeit nicht mehr sehen. Was mir dabei enorm hilft, ist, immer wieder in diesen "leeren" Raum zu gehen, in mich selbst - alle Gedanken beiseite zu schieben und Dankbarkeit zu spüren - jeden Tag. Es finden sich immer fünfzehn Minuten Zeit, wenn man das will. Seien es die fünfzehn Minuten, die man sonst für Social Media o. ä. brauchen würde.

Geld ist - Energie
So, und dann ist da manchmal eben dieser Zwiespalt - Geld vs. Menschlichkeit. Zahlen vs. Fühlen. Druck machen vs. Vertrauen. Als Unternehmen ist es unabdingbar, an die Zahlen zu denken und die Mitarbeiter zum Umsatzmachen zu pushen. Ich empfinde es so, als wären wir hier immer wieder am Seilziehen - welchem Aspekt geben wir dann und wann mehr Fokus?
Hier komme ich zum Geld zu sprechen, welches oft negativ konnotiert wird. Das kommt nicht von ungefähr: Geld kann Sorgen bereiten und zu Gier führen. Doch: Ist es dann nicht so, dass wir das Geld mit solchen Gedanken von uns fernhalten?
Ich bin überzeugt davon, dass es sich lohnt, eine positivere Einstellung zum Geld sowie auch zur Arbeit zu entwickeln. Dabei finde ich es wichtig, zu beachten, dass das Unterbewusstsein oft stärker wirkt, als wir denken. Es liegt vieles tief in uns vergraben, das uns gar nicht bewusst ist. So ändere ich meine tiefsten Überzeugungen, indem ich direkt ins Fühlen gehe. Diese Gefühle täglich spüre, indem ich in mich gehe.

Überzeugungen prüfen - dem Prozess vertrauen
Es gibt m.E. einiges zu überdenken und über Bord zu werfen gilt, das wir seit unserer Kindheit von der Gesellschaft gelernt haben. Wie beispielsweise, dass Geld den Charakter versaut, oder dass Reiche keine Freunde haben.
Was auch tief in unserer Gesellschaft verankert ist, ist die Haltung, dass Arbeit ein notwenidges Übel ist, um Geld zu verdienen. Der berühmte "Montagsblues" ist eines dieser Beispiele, die zeigt, dass Arbeit gesellschaftlich nicht mit Freude verbunden wird.
Was jedoch, wenn wir uns jeden Tag daran erinnern, dass diese Arbeit, dieser Alltag genau diese Bühne ist, auf der wir wachsen, unsere Persönlichkeit weiterentwickeln, uns in mehr Menschlichkeit schulen? Was, wenn wir jede Herausforderung als Chance wahrnehmen, uns spirituell weiterzubilden?
Am Schluss geht vieles um Vertrauen. Ich vertraue dem Prozess, dem Jetzt. Ich bin mir sicher, dass alles schon da ist, was wir brauchen.

Freude, Begeisterung, Frieden, Menschlichkeit - das alles ist schon da. Manchmal wird es einfach überlagert. Durch Kunden, die in Angst und Sorge sind und dadurch Energie ziehen. Durch unsere (negativen) Gedanken an die Zukunft, die allenfalls durch unstimmige Zahlen befeuert werden.
Das ist etwas vom Wichtigsten, das ich in den letzten Jahren gelernt habe: Dass alles schon gut ist. Der Status Quo ist das Wichtigste, das uns widerfahren kann. Das einzig Wahre, denn was ist wahrer als dieser Moment?
Ich finde dieses Thema unglaublich wichtig - wie wir Unternehmertum und Business mit Bewusstsein und Seelenkraft verbinden. Sprechen wir darüber, und üben wir uns in Dankbarkeit - jeden Tag. Zwischen Dispomeetings und Busausgaben.




Lieber Roland. Ich danke herzlich für die freundlichen Zeilen, aus welchen spürbar hervorgeht, dass dir Themen wie Wertschätzung, Dankbarkeit und Bewusstsein sehr am Herzen liegen. Ich freue mich, wenn mein Blog und die Texte mit den richtigen Menschen resonieren, sie berühren und ihnen einen Mehrwert bieten.
“Sanfte Wellen sind Bewegungen, die Menschen mitnehmen, tragen, bewegen”
>>Dies war und ist meine Vision : das Internet mit sanften Wellen zu füttern.
Sei herzlich gegrüsst und vielen Dank für deine Aufmerksamkeit. Selina
Liebe Selina. Welch ein Glück, dass ich auf deinen Blog gestossen bin! Was du beschreibst, berührt tief und lebendig. Die Erkenntnis, dass Dankbarkeit und eine wertschätzende innere Haltung mehr bewegt und verändern kann, als äussere Umstände, das ist in dieser Zeit eine essenzielle Weisheit. Schön, dass du genau dazu beiträgst mit deinem Blog. Dass du inmitten von Dispomeetings und Busausgaben den Mut findest, innezuhalten und Bewusstsein zu kultivieren, ist inspirierend. Als Mensch, der für die Stille schreibt, als Kontrapunkt zum Lärm des Alltags, schätze ich diesen deinen Beitrag hier gerade ganz besonders. Sanfte Wellen sind Bewegungen, die Menschen mitnehmen, tragen, bewegen - anstelle einer lauten Flut, die ungefragt mitreisst. In dem Sinne: danke herzlich für dein Wirken. Ich habe deinen Blog abonniert,…