Von der Freude am Sein - und wie wir sie im Alltag verankern
- Selina Moser
- vor 9 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Das Leben hat viele Gesichter.
Manchmal ist es leicht, dann wieder zäh.
Und manchmal bin ich müde, gereizt und denke: Heute ist nicht mein Tag.
Die grosse Kunst dabei ist nicht, immer zufrieden zu sein, sondern nicht gegen das anzukämpfen, was gerade da ist.
Unabhängig zu werden von äusseren Begebenheiten.
Es gibt Wege, wie jeder von uns etwas unabhängiger werden und sein Glück im Innen finden kann.

Akzeptanz finden
Womöglich ist der erste Schritt der, dass wir uns eingestehen: Diese Unzufriedenheit, die uns als Gesellschaft umgibt, ist ein menschlicher Mechanismus, und es ist in Ordnung. Es gibt keinen Grund zur Verurteilung.
Womöglich hilft es, wenn wir uns sagen: Ich akzeptiere diesen Moment oder Zustand, wie er jetzt gerade ist.
Das ist die Ausgangslage, und ich versöhne mich mit ihr.
Ich kämpfe nicht gegen sie an, sondern gehe mit ihr.
Tun statt denken
Der Denker in uns ist manchmal laut. Manchmal gibt es keine Pausen vom Denken. Es kann auch helfen, uns in eine Traumwelt zu flüchten, indem wir denken.
Doch schliesslich ist das Denken nicht das, was uns ausmacht.
Frage: Gibt es mir nicht mehr, aufzugehen in einer Tätigkeit, die mir Freude bereitet, als darüber nachzudenken?Für mich ist die Antwort heute klar: Ja.
Dieses Tun kann auch Meditation heissen, doch für viele ist dieser Schritt zu schwer oder zu abstrakt (kenne ich auch von früher).
Daher empfiehlt es sich, etwas zu tun, das das Denken abstellt und insbesondere: Freude bereitet.
Statt gedanklich in deinem Elend zu suhlen:
Male ein Bild.
Schreibe ein Gedicht.
Singe ein Lied.
Tue etwas aus Freude.
Liebe.
Jeden Tag ein wenig.
Denn was du jetzt tust, das findest du morgen vor.
Weil das Morgen nur das Jetzt kennt.

Das Leben im Jetzt
Das Gefühl, dass das Jetzt noch nicht reicht, noch nicht genug ist, kennen bestimmt viele.
Auch ich hatte das jahrelang - das Gefühl, noch mehr an mir arbeiten zu müssen, um noch besser zu werden.
Rückblickend ist das schon fast ironisch, denn: es gibt de facto nur das Jetzt.
Frage: Wo bleibt denn die Freude, wenn wir auf sie warten?
Und für die Denker unter uns: Wo finde ich Antworten auf Sinnesfragen, wenn nicht im Jetzt?Die Zukunft orientiert sich am Jetzt. Sie wächst aus dem Jetzt.
Aus Unzufriedenheit kann keine Zufriedenheit gedeihen. Aus fünf Minuten Freude pro Tag schon.
Manchmal reicht mir dafür ein Spaziergang.
Ein Satz schreiben.
Oder ein Lied.
Die Sonne, die mein Gesicht kitzelt.
Und dann ist sie da - die leise Freude ohne Grund, im Jetzt.
Das Leben als Wunder entdecken
Stell dir vor, du würdest jetzt in diesem Augenblick in diesen Körper inkarniert.
Du würdest die Welt noch nicht kennen und würdest vom einen Moment auf den anderen Einblick erhalten in die Welt. Stell dir vor, mit welchen Augen du die Welt sehen würdest.
Beim nächsten Mal, wenn du unter einer warmen Dusche stehst, stell dir vor, du würdest das zum ersten Mal erleben. Ich wette, dass sich das ganz anders anfühlt. Und dass eine Freude für den Moment daraus erwacht.

(Nicht) warten auf bessere Zeiten
Fair enough: es gibt wirklich schreckliche Zeiten. Das muss nicht beschwichtigt werden.
Doch oft befinden wir uns in einer Lage, die objektiv betrachtet gar nicht schrecklich ist. In einer, in der wir einfach denken, dass die Lage schrecklich sei.
Wir warten auf bessere Zeiten, indem wir funktionieren - ohne Freude. Dabei sehen wir nicht, dass wir immer mehr von genau diesem Zustand in unser Leben ziehen.
Warten auf bessere Zeiten heisst so gesehen nicht mehr, als bessere Zeiten von sich wegzustossen.
Mein Grundsatz ist: es ist immer besser, ein bisschen mehr ins Leben zu vertrauen, als zu wenig.
Wenn wir ins Leben vertrauen, können wir nichts verlieren. Und als Nebenwirkung laden wir die Freude in unser Leben ein.
Die Welt: Freund oder Feind?
Die Welt als feindlich anzusehen, kann ein Grund sein, uns nicht mit uns selbst auseinandersetzen zu müssen. Es gibt aber nicht nur die böse Welt - auch wenn wir das meinen mögen, wenn wir Medien konsumieren, und auch wenn unser Ego das gerne so hätte.
Unser Fokus ist entscheidend.

Frage: Sind wir willens genug, uns uns selbst zuzuwenden und aufzuhören, mit dem Finger auf andere zu zeigen? Oder bleiben wir in der bequemen Haltung und sehen uns als Opfer der Welt?Selbstverantwortung bedeutet, aufzuhören, das Leben als Gegner zu sehen, und anzufangen, uns selbst zuzuhören.
Hören wir uns selbst zu, entdecken wir vielleicht, dass die Freude schon da ist.
Einfach so.




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