Wo deine Kraft beginnt – über Selbstwahrnehmung und Erdung
- Selina Moser
- vor 7 Stunden
- 4 Min. Lesezeit
Es regnet stark.
Ich bin mit meinem Hund auf einem Spaziergang.
Wir gehen über die Hügel des Emmentals.
Dabei treffe ich auf eine Frau.
Wir schauen uns an und kommen ins Gespräch.
"Wohnen Sie auch hier in der Nähe?", frage ich.
"Ja, gleich dort oben", sagt die Frau, den Finger auf einen Hügel gerichtet.
Sie richtet ihre Kapuze.
"Und Sie?"
"Ich auch, gleich da drüben", antworte ich, währen dich meinem Hund einen Tannzapfen zuwerfe.
Der Regen wird stärker.
Meine Schuhe sind voller Schlamm.
Ein kräftiger Wind kommt dazu.
"Es ist wundervoll", sagt die Frau weiter.
Ihr Blick ist in die Ferne gerichtet.
"Hier zu leben ist ein grosses Glück."
Ich lächle und nicke.

Begegnungen wie diese rufen mir in Erinnerung, dass schon jetzt alles gut ist. Sowie dass schon jetzt alles schlecht ist - je nach dem, wie ich es sehen will.
Genau so gut hätten wir über das Wetter klagen können. Nein, wir sprechen über das Glück, hier leben zu dürfen.
Ähnlich verhält es sich mit unserem Inneren: Alles, was ich brauche, ist schon in mir.
Die Kraft ist schon in mir. Vielleicht sehe ich sie manchmal einfach nicht, weil ich ich mich zu wenig wahrnehmen kann.
Was uns davon abhält, uns selbst wahrzunehmen, wie wir diese Gabe wiedererlangen und was es bedeutet, in seiner eigenen Kraft zu sein - darum geht es in diesem Beitrag.
Wo Selbstermächtigung beginnt
Wie wir uns wahrnehmen, hängt oft davon ab, was wir denken.
Über uns, über andere. Über das Wetter.
Wie wir damit umgehen.
Sehen wir uns als Opfer, werden wir das auch sein.
Suchen wir einen Retter, schiessen wir am Ziel vorbei.
Erkennen wir die Verantwortung und somit die Kraft in uns, so werden wir langfristig zufriedener sein, uns freier fühlen und wahrhaftiger leben.

Stolpersteine liegen überall. In Form von Dingen, die uns mehr Energie rauben, als uns lieb ist. Ja, das können Umstände sein, manchmal Menschen - doch nie darf dies zum Grund werden, seine Verantwortung abschieben zu können.
Es geht nicht um Schuld, sondern um Selbstermächtigung.
Wenn wir das Gefühl haben, dass andere Menschen uns Energie ziehen könnten, dann mag das so sein. Entscheidender ist: Worauf richte ich meinen Fokus?
Man kann sich fragen ...
Warum lasse ich mich beeinflussen vom Aussen?
Was gilt es im Innen zu sehen, das mir im Aussen gezeigt werden will?
Oder ganz schlicht: Was tut mir gut? Was tut mir nicht gut?
Wenn der Nebel dichter wird
Vieles hat mit Klarheit zu tun:
Bin ich womöglich auf einem Weg, der mir gar nicht entspricht?
Rede ich mir ein, dass mein Leben, so, wie ich es jetzt bestreite, auf dem richtigen Weg ist?
Ich finde mich immer wieder in der einen oder anderen Situation wieder, die mir Stolpersteine aufzeigt. Nicht immer klar, manchmal sehr subtil. Ich beleuchte sie dann, um meine Kraft wieder ans Tageslicht zu bringen. Oft fällt es mir auch erst später auf - und rückblickend ist das Erkennen stets leichter.
Sobald wir von unserem Kurs abkommen, begegnen uns Widerstände.
Zum Beispiel, um uns wieder auf die Spur zu bringen.
Häufen sich die Widerstände, kann es sein, dass wir gegen uns selbst arbeiten.
Manchmal begegnen uns diese Widerstände in Form von Körpersignalen.

Den Körper erden
Der Körper ist hyperintelligent.
Seinen Signalen zu lauschen, kann sehr aufschlussreich sein.
Ja, oft überhören wir ihn. Fühlen uns vielleicht an einem Ort unwohl, und finden rationale Gründe dafür. Wir sind voll, und essen aus Lust weiter. Wir husten, und rauchen noch eine.
Nichts dabei, doch was der Körper für uns ist, erfahren wir oft erst, wenn es nicht mehr anders geht, als ihm zuzuhören.
Der Körper ist für mich eine Schnittstelle zwischen Erde und Bewusstsein.
Deshalb hat die Erdung für mich einen hohen Stellenwert.
Wenn ich verbunden bin mit der Erde und der Natur, spüre ich meinen Körper klarer, und damit die Verbindung zu meinem Bewusstsein.
An dieser Stelle erinnere ich mich an eine Frage einer Blogleserin.
Wie können wir gleichzeitig mit der Erde verbunden sein und mit dem Universellen? Ist das Irdische nicht der Gegensatz zum Höheren?
Die Leserin bezog sich auf einen Satz von mir:
„Je geerdeter wir sind, desto klarer spüren wir, ob wir wirklich bei uns sind.“
Sie fragte:
Was heisst für dich „verbunden sein“? Mit der Erde – oder mit dem Universellen?

Für mich schliessen sich diese zwei Ebenen nicht aus.
Unser Körper ist diese Verbindung zwischen Erde und dem Universellen.
Bin ich verbunden mit der Erde unter mir, fällt es mir leichter, mich mit meinem höheren Bewusstsein zu verbinden - mit meiner inneren Stimme -, und mich selbst als Ganzes wieder besser wahrzunehmen.
Andersrum geht es für mich nicht auf: Bin ich "nur" mit dem Universellen verbunden, ohne Bodenhaftung und ohne, meinen Körper miteinzubeziehen, verliere ich die Verbindung zu mir selbst.
Die Erdung ist für mich eine Art Kompass. Solange ich hier bin, auf der Erde und in diesem Körper, will ich meine Bodenhaftung nicht vergessen.
Die Bedeutung davon, in seiner Kraft zu sein
Wann fühlen wir uns lebendig?
In Ausnahmesituationen, beim Bungeejumping?
Wenn wir starke Emotionen haben, wütend sind?
Beim Sex? Beim Spielen?
Was hält uns davon ab, uns immer lebendig zu fühlen - einfach so im Sein?
Langfristig betrachtet kommen wir in unsere Kraft, wenn wir aufhören, jemand anderes sein zu wollen - und beginnen, uns selbst anzunehmen.
Wenn ich mutig genug bin, in mich selbst zu sehen - in der Stille -, schule ich meine Selbstwahrnehmung.
Tatsächlich: Es ist der einzige Ort, wo ich finde, wonach ich suche.
Ich komme in meine authentische Kraft, wenn ich mir Zeit nehme, um für mich selbst da zu sein.
Mich von äusseren Begebenheiten löse.
Ich vertraue meinem Körper und seinen Empfindungen.
Ob sich das gut anfühlt oder nicht - es ist einfach wahr.
Das Geheimnisvolle liegt oft genau vor unserer Nase - oder in unserem Körper!

Was passiert, wenn wir nicht mehr gegen Anteile in uns ankämpfen?
Es wird unglaublich viel Energie frei, die zuvor ins Kämpfen geflossen ist.
So auch, wenn wir das Bewerten loslassen.
Doch nicht nur mit dem Verstand.
Wenn Denken, Fühlen und Handeln übereinstimmen, kann Energie fliessen.
Es erwacht neue Kraft zum Leben.
Keine Energie wird mehr verbraucht zum Wegdrücken, Vertuschen, Anders-Sein-Wollen.
Das sind meine Gedanken dazu.
Vielleicht findest du deine eigenen Antworten auf die Frage:
Was bringt dich in deine Kraft?
Womöglich war sie die ganze Zeit schon da.




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