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Bodenhaftung - von der Kunst, bei dir zu bleiben

Im letzten Blogbeitrag habe ich über Vertrauen geschrieben, über Mut und das Sehen der eigenen Verantwortung, die man in seinem Leben trägt.


Daraufhin habe ich die Rückmeldung erhalten: “Das Vertrauen zu halten ist nicht etwas, das den Menschen einfach so gut gelingt.” Wohl wahr! Gerade in schweren Zeiten kann es sich fast wie eine ironische Floskel anhören, das Vertrauen zu halten. Weiter hat die Person gesagt:

“Das interessiert mich, wie du das gelernt oder geübt hast.”


Aus diesem Grund möchte ich heute darauf eingehen, wie wichtig mir die Bodenhaftung ist - insbesondere in Zeiten, die nicht nur einfach sind.


Bild: Einst beim Spazieren
Bild: Einst beim Spazieren
Insbesondere an schweren Tagen brauche ich mich selbst, die ich mir selbst Bodenhaftung gebe.

Das müssen gar nicht grosse Krisensituationen sein. Klar ist, dass ich durch die extremen Krisensituationen wie noch nie gewachsen bin und ich wahrscheinlich nicht derselbe Mensch wäre, hätte ich diese existenziell bedrohlichen Erfahrungen nicht gemacht. Gleichzeitig weiss ich aus diesem Grunde, was mir heute wichtiger ist denn je, und zwar: mich selbst nicht zu verlieren.


Aber eben - schwere Zeiten müssen nicht grosse Krisensituationen sein. Sie können sich auch einfach so anfühlen. Vielleicht fühlt es sich schon nur körperlich so an. Habe ich schlecht geschlafen und bin ich emotional gereizt, ist da einfach ein gewisses Unbehagen, das mich meine Bodenhaftung schneller verlieren lässt. Im Verlaufe des Tages begegnen mir noch mehr Dinge, die mich herausfordern, als hochwahrnehmender Mensch vielleicht hart treffen, und da heute sowieso dieser Tag ist, an dem ich dünn behäutet bin, ziehe ich diese Menschen und Umstände geradezu magnetisch an, wie mir scheint. Vielleicht erinnern sie mich unterbewusst an frühere Erfahrungen, die nicht schön waren,  und die Gefühle lassen weitere Gedanken aufsteigen, die jetzt gerade alles andere als förderlich sind. Sie lassen mich kaum mehr los, und früher hätte ich mich ihnen hingegeben.


Heute sage ich mir: Es ist alles in Ordnung. Es ist jetzt gerade so. Ich bin Herrin meiner Gedanken. Und meiner Gefühle: Ich vertraue. Ich halte den Raum.

Der Beitrag handelt um Bodenhaftung. Dieses kleine, unscheinbare, vielleicht auch etwas abstrakte Wort fasst für mich zusammen, wie ich es schaffe, das Vertrauen zu halten, egal was mir heute widerfährt.

Bild: Einst im Wald
Bild: Einst im Wald

Keine Chance hätte ich früher gehabt, mich an Tagen, die mich aus der Bahn werfen und mich wie das kleinste Häufchen Elend fühlen lassen, hochzuraffen, geschweige denn eine Änderung einzuleiten. Warum? Weil es mir an Bodenhaftung gefehlt hat.


Bodenhaftung - speziell in der Spiritualität wichtig


Ich finde Bodenhaftung in jedem Fall wichtig, sei es im Alltag oder in spezielleren Settings. In den letzten Jahren habe ich jedoch erlebt, dass Bodenhaftung gerade im spirituellen Umfeld noch wichtiger ist.


Es gibt Menschen, die sich in ihrer Not der Spiritualität hingeben, was ich verstehe und zum Teil auch gutheisse. Jedoch gibt es einige, die - indem sie sich fremden Lehren anschliessen - am Schluss eigentlich genau das Gegenteil dessen machen, was ich als spirituell empfinde - und zwar, nicht mehr auf sich selbst zu hören, oder: ihre Bodenhaftung zu verlieren. Das habe ich bei spirituellen Schülern wie auch bei Lehrern beobachtet. Bedürftigkeit ist eine grosse Gefahr, der man verfallen kann, und die alles andere als lichtvoll ist, auch wenn es sich zunächst so anfühlt.

Wer tiefere Bewusstseinserfahrungen machen will, soll die Füsse auf dem Boden halten.

Ein weiteres Beispiel dafür, dass Spiritualität ohne Bodenhaftung gefährlich sein kann: Der Glaube, dass Spiritualität mich zu einem besseren Menschen macht. Spirituelle Überhöhung, eine der grössten Gefahren aus meiner Sicht, wobei man die eigenen blinden Flecken nicht sieht.

Oder der Glaube, ich müsse jetzt unbedingt Visionen haben oder Erinnerungen an mein früheres Leben, und mich dadurch unter Druck setze, weil ich nicht merke, dass solche Optimierungsgedanken das Gegenteil dessen bewirken, was eigentlich spirituell ist.


Bild: an einem Lieblingsort im Wald
Bild: an einem Lieblingsort im Wald

Niemals ist jemand besser als der andere, und wenn er scheinbar “weiter” ist, dann wird immer der andere in einem anderen Gebiet weiter sein.

Klar ist diese spirituelle Suche auch auf eine Art eine Suche nach sich selbst, oder eine Suche nach der Rettung aus der Notlage. Jedoch finde ich es so wichtig, dabei niemals zu vergessen, dass ich selbst die Person bin, bei der es zu bleiben gilt.


Bodenhaftung - was mir dabei hilft.


Ich erzähle aus meiner Erfahrung, dabei soll dies keine Anleitung bieten, sein eigenes Wesen zu verleugnen. Jeder trägt seine eigenen individuellen Gaben, Eigenschaften, sein eigenes Wissen in sich, und keine Praxis ist für jeden gleich geeignet.


  • Auf jeden Fall - was mir immer und in jeder Situation - und rückblickend mein ganzes Leben lang! - geholfen und mich unterstützt hat, ist die Verbindung zur Natur. In der Natur lade ich mich auf, besinne ich mich auf mich selbst zurück, und festige meine Bodenhaftung.

  • Was mir weiter hilft, oder wessen Abwesenheit mich stets in die Irre geführt hat, ist die Klarheit. Oft war das eine grosse Herausforderung für mich - klar zu sein, sprich nüchtern zu sein, ohne Ablenkung, mit mir selbst zu sein, so langweilig oder auch gefährlich es sich anfühlen möge. Die Klarheit gibt mir eine Bodenhaftung, die mein Vertrauen einerseits in mich selbst sowie in das Leben fördert.

  • Heute schätze ich die alltäglichen Ressourcen auch viel mehr, die ich früher weniger beachtet habe, sprich allem voran der Schlaf, Erholung, unbearbeitetes Essen aus dem Boden oder aus der Natur, und die Bewegung.

  • Die Musik war für mich mein Leben lang wichtig, und ich behaupte, dass sie mir ebenso lange geholfen hat, auf dem Damm zu bleiben und mich selbst nicht zu verlieren.


Bild: An einem Lieblingsort im Wald
Bild: An einem Lieblingsort im Wald


  • Die Verbindung zu Menschen. Freundschaften. Nahestehende Menschen. Früher habe ich selten über meine Zerrissenheit gesprochen, die mich oft mit unglaublicher Intensität begleitet hat, und habe alles mit mir selbst ausgemacht. Dabei ist es von unschätzbarem Wert, sich Menschen des Vertrauens zu offenbaren. Du musst nicht alles alleine aushandeln. Sobald wir begreifen, dass wir in Ordnung sind wie wir sind, mit allen Stärken und Schwächen, haben wir auch das Vertrauen, dass Menschen, die wirklich für uns bestimmt sind, uns genauso vorbehaltlos begegnen.

  • Schreiben. Dass ich mein Leben lang Tagebuch geführt habe, hat mir geholfen, bei mir selbst zu bleiben.

  • Dankbarkeit. Ich fühle mich unermesslich gesegnet, wenn ich darüber nachdenke, wie dankbar ich mich fühlen darf. Diese Gewissheit, jeden Tag aufs Neue, lässt mich wachsen, und damit auch meine Bodenhaftung.

  • Und zum Schluss: Humor. Das Leben ist nicht nur tief und ernst, sondern auch leicht und geniessenswert.

Herzhaft zu lachen macht das Leben einfach ein wenig besser, und festigt die Bodenhaftung auch in harten Zeiten.

Es gäbe noch mehr aufzuzählen, und wie gesagt tun jedem Menschen andere Dinge gut. Welche Dinge uns abhalten, bei uns selbst zu bleiben, kann man sich entsprechend zusammenrechnen.


Ach ja genau, und in diesem Sinne ist der Fokus für mich auch matchentscheidend. Worauf richte ich meine Aufmerksamkeit? Auf die Dinge, die mein Leben beschweren? Auf die Krankheit, oder die Gesundheit? Das Gesetz des Fokus, oder wie auch immer man das nennen will, vielleicht auch das Gesetz der Anziehung, hat sich in meiner Erfahrung bewährt. Ich richte meinen Fokus auf das Positive, mitsamt allem Wissen über das Schlechte. Ich bin nicht blind für das Schwere, noch lebe ich dafür oder identifizieren mich damit, auch wenn es mich noch so stark faszinieren und anziehen möge.


Bild: Einst im Wald
Bild: Einst im Wald

Hier habe ich einen kleinen Einblick gegeben, wie ich im Vertrauen bleibe und was mich in meiner Bodenhaftung fördert.

Was sind die Dinge, die dein Vertrauen ankurbeln?

Wenn du möchtest, teile es gerne mit mir, oder schreibe es für dich alleine auf. Deine Gedanken sind genauso machtvoll wie die Worte oder dein Handeln. Und da bin ich schon an einem nächsten Punkt, der mir in Sachen Vertrauen und Ausgeglichenheit hilft, nämlich das Wissen darum, wie machtvoll unser Denken ist, doch das behandle ich womöglich in einem nächsten Beitrag. :-)


Viel Freude mit dem Erforschen der Bodenhaftung und alles Liebe.



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