Trau dich, zu verTRAUen - durch mehr Mut zu Lebendigkeit
- Selina Moser
- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit
Zeit meines Lebens wurde ich von meinem Umfeld als mutige Person wahrgenommen. Auch habe ich mich selbst so eingeschätzt. Ohne gross zu überlegen habe ich mich in Projekte gestützt, alleine Reisen unternommen, kein Blatt vor den Mund genommen, mich für andere eingesetzt und bin meinen Weg gegangen, ohne mich um mögliche Kritiken zu scheren. Der Mut hat mich so gesehen stets begleitet und mich vielleicht auch in Schwierigkeiten bis hin auf fatale Irrwege gebracht, doch alles in allem durch die Prüfungen hindurch auch stärker wachsen lassen.
Darum geht es in meinem heutigen Blogbeitrag: wie viel Vertrauen es manchmal braucht, um mutig zu sein... und wie wir dadurch wieder in den Moment und in die Lebendigkeit kommen.

Wo ich “Mut” sage, liegt die andere Seite der Medaille vielleicht sehr nahe, und zwar war da bestimmt auch oft viel Naivität. Ich habe viel vertraut, und bin dadurch x-fach auf die Schnauze gefallen.
Heute bin ich fest davon überzeugt, dass es sich immer lohnt, ein bisschen mehr zu vertrauen, als zu misstrauen.
Von der selbsterfüllenden Prophezeiung
Nein, es geht nicht darum, blind zu sein und sich eine schöne Welt einzureden. Es geht auch nicht darum, Menschen zu erhöhen und dadurch Dummheiten zu begehen. Und ja, ich will mich ja auch schützen, für Sicherheit sorgen, also muss ich auch hin und wieder etwas hinterfragen.
Es geht mir hier darum: dass unser Wille geschehe.
Buchstäblich - unser Glaube geschehe, wie im Innen so im Aussen.
Ohne gross auf Bibeltexte zurückgreifen zu wollen (wobei manche wirklich der Sh** sind! Im positiven Sinne…), möchte ich beschreiben, wie unser Denken und Fühlen zur selbsterfüllenden Prophezeiung werden können. Selbstermächtigung bedeutet in diesem Sinne, dass ich mir selbst die Kraft zurückgebe, statt andere für mein Wohl verantwortlich zu machen. Ich erschaffe mir meine Realität selbst. Ich kann nicht alles kontrollieren, was mir begegnet, jedoch kann ich beeinflussen, worauf ich meinen Fokus richte, und welche Bedeutung ich den Dingen gebe.
Wo war ich selbst nicht mutig? Rückblickend betrachtet sehe ich es: ich war dort zu wenig mutig, wenn es darum ging, meine eigene Rolle als Steuerfrau meines Schiffs zu erkennen.
Ich habe früher oft konsumiert. Seien es Medien, Drogen, Essen, Menschen. Wer konsumiert, ist einfacher beeinflussbar. Ob das die dunklen Nachrichten über Todesfälle sind, die uns im Radio zwischen bewegender Musik stündlich monoton und gefühllos zu Gemüte geführt werden, oder ob das Podcasts sind über Selbstermächtigung und die Freude am Leben. Die Entscheidung liegt bei mir - jede Sekunde, jede Minute, was ich mir reinziehe, was ich denke, und wie mein Welt- und Selbstbild ist.
Wirklich mutig wurde ich erst, als ich Verantwortung für mein eigenes Leben übernommen habe.

Manchmal denke ich darüber nach, was ich meinem früheren Ich in der einen oder anderen Situation gesagt hätte. Vielleicht in einer schwierigen Situation - mit zu vielen Gedanken und zu wenig Zuversicht. Was ich diesem früheren Ich gesagt hätte, wäre nicht gewesen, “sei nicht so naiv”, sondern: Glaube an dich! Sei präsent - jetzt. Koste jeden Moment aus.
Mut zu Lebendigkeit
Ab diesem Zeitpunkt, in dem ich wieder Verantwortung für mein Leben übernehme, wird mein Leben wieder lebendig. Ich werde wieder handlungsfähig, und ich staune.
Das Leben fühlt sich so sinnlich an. Die Welt, wie sie um mich geschieht, sie lebt. Alles lebt, und ich fühle mich nicht mehr getrennt von der Welt. Ja, ich bin nach wie vor ein Individuum, und doch bin ich Teil des Ganzen. Und insbesondere: Ich bin Steuerfrau des Geschehens. Nein, ich bin auf keinem LSD-Trip, auch wenn mir meine eigene Beschreibung bekannt vorkommt. Wohl schreibe ich in einem solchen Moment jedoch aus einem losgelösten Bewusstseinszustand heraus, und zwar aus einem des vollkommenen Seins. Aus einem Zustand losgelöster Gedanken, losgelöster Identifikation. Was ich morgen einkaufen muss und welche Offerten ich noch schreibe, das ist ganz weit weg von mir. Ich erkenne den Moment im Moment, weil ich jetzt gerade einfach nur da bin. Jetzt, und jetzt, und…
In diesem Zustand bin ich weder erleuchtet noch weiter als andere - weit davon entfernt! Im Gegenteil habe ich mich zurückentwickelt, wenn man so will, denn der Zustand ähnelt eher dem eines Babys als eines Weisen.
Ich stelle mir vor, ich komme aus einer anderen Welt hierher, in diese Welt, dieses Leben, und ich schaue auf meine Finger, fühle, taste, und ich kann es einfach nicht fassen. Ich sehe, Farben, dreidimensional, ich schmecke, rieche, und bin total baff.
Wie kann das sein, wo bin ich hier gelandet?, würde ich denken.

Nun kam ich auf die Welt und mein Bewusstsein war noch nicht das Bewusstsein einer Sechsunddreissigjährigen. Über die Jahre habe ich mich an das Leben gewöhnt, ich habe vieles abgeschaut, den anderen, den Älteren, die ich doch als Vorbilder ansehe. Die Welt ist normal geworden, auch mein Tastsinn, Geruchssinn, die Farben und die Weichheit des Fells meiner Katze. Vielleicht ist sie nicht mal nur normal geworden, sondern auch schrecklich, denn schlechte Gefühle haben sich eingeschlichen, Traurigkeit und Wut, und weil diese Gefühle schlecht sind, muss auch die Welt schlecht sein. Ich höre Dinge im Fernsehen und von den Älteren, und meine Sicht auf die Welt ist eine Traurige. Fast versiegt ist die Quelle der Begeisterung, die ich heute erlebte, würde ich heute im jetzigen Bewusstsein geboren, ginge ich durch Schmerzen und Leid und Überlebenskampf, um in diese Welt im Nullkommanichts geboren zu werden.
Das Wunder des Lebens erkennen
Wie nehme ich das Leben also wieder so intensiv wahr? Wie finde ich die Begeisterung wieder, die ich als Kleinkind hatte, und die ich womöglich schon ganz vergessen habe? Manchmal denke ich, es sei den Menschen vorbehalten, die bereits einmal gestorben sind, oder fast gestorben sind, dieses Wunder namens Leben zu erfassen. Wenn du eigentlich nicht mehr am Leben sein solltest, in einer anderen Zeitschlaufe, bin ich dankbar für jeden Augenblick, der mir dieses Leben noch beschert.
Natürlich ist es nicht immer so, dass ich staunen kann. Wie der Trip irgendwann aufhört, kann auch dieses Sein im Jetzt nicht dauernd vonstatten gehen. Aber ehrlich? Tatsächlich sind diese Momente die, die mein Leben lebenswert machen, die das Jetzt ewig machen, und in denen ich mich lebendig fühle - diese Momente im Jetzt, in denen ich nicht einfach funktioniere, tue, auf bessere Zeiten warte. Diese Zeiten so oft wie möglich in meinen Alltag einzubringen - das beschert mir heute viel Glück und Zufriedenheit.

Mut bedeutet für mich heute, präsent zu sein. Zu vertrauen - in erster Linie auf mein Gefühl und meine Intuition.
Mut bedeutet für mich, mich selbst zu ermächtigen, dieses krasse Wunder namens Leben wieder voll und ganz anzunehmen. Es bedeutet, gerade in schwierigen Situationen bei mir zu bleiben und den Glauben zu wahren, dass es auch diese Phasen braucht, und dass alles viel mehr Sinn macht, als ich es mir vielleicht im Moment auch nur ansatzweise vorstellen kann.
Insbesondere an schweren Tagen brauche ich mich selbst, die ich mir selbst Bodenhaftung gebe.
In dem Sinne: Trau dich, zu verTRAUen - in dich selbst.




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