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Deine Wahrheit hat Platz: Mut zur eigenen Stimme

Ich sitze am Meer und spüre die leichte Frühlingsbrise meinen Nacken umspielen. Die Sonne berührt meine Haut sanft, während ich die dynamische Bucht betrachte. Die Wellen sind ruhig - überhaupt ist es ruhig. Ein Spiegel meines Inneren? Ja, vielleicht. Ich lächle bei diesem Gedanken.


Während ich die Küste entlangblicke und die Möven beobachte, die friedlich umherfliegen, denke ich an ein Telefonat, das ich kürzlich mit einer Freundin geführt und in dem ich ihr von meinem Buchprojekt erzählt habe. Ich berichtete von schwierigen Themen, die ich in der Geschichte behandle. Von Sucht, Grenzerfahrung, Angst, Psychose - und dem Weg zurück. Davon zu erzählen, hat dem Gespräch urplötzlich eine neue Tiefe gegeben.


Vorgestern an der Cala Varques, Mallorca
Vorgestern an der Cala Varques, Mallorca
"Auch wenn nicht jeder gleiche Extreme durchlebt, so hat jeder seine eigene Geschichte, eigene Krisen", sage ich.

Das liege schon fast in der Natur der Dinge - in der Natur des Lebens, füge ich lachend an, und weiter: "Manche Menschen haben Depressionen, Angstzustände, Burnouts, und sprechen nicht darüber." Daraufhin erzählt mir meine Freundin von ihren Erfahrungen damit. Offenbar hatte ich unbewusst ins Schwarze getroffen. Wir sprechen darüber - sie über ihre Erfahrungen, ich über meine eigenen - , und öffnen uns für eine neue Dimension der Verbundenheit.


Dieses Gespräch hat mich in meiner Meinung bestärkt, dass wir offener miteinander über Tabuthemen sprechen dürfen. Die Angst vor Ausgrenzung ist natürlich, denn schon in der Schulzeit machen viele von uns schwierige Erfahrungen damit. Diese Erlebnisse können sich tief in die Psyche einbrennen und dazu führen, dass wir mundtot werden. Aus Scham und Unsicherheit über die Reaktionen anderer lassen wir Themen über tiefgreifende psychische Erfahrungen tief in uns vergraben, wo sie womöglich über Jahre sogar vor uns selbst sicher versteckt ihr Dasein fristen und sich über unbewusste Verhaltensweisen Ausdruck verleihen.


Meiner Meinung nach geht es nicht darum, Diagnosen öffentlich zu machen. Es geht auch nicht darum, sein ganzes Seelenleben jedem preiszugeben. Schnell kann das kippen in den unbewussten Wunsch nach Aufmerksamkeit, was in unserer modernen Welt des Internets nicht allzu abwegig ist. Jedoch - sich jemand Vertrautem zu öffnen, bringt schon viel. Und ob dies nach und nach einer breiteren Menge zugänglich gemacht werden soll, oder ob es vielleicht andere Wege gibt, durch diese Erfahrungen andere Menschen zu unterstützen, das sei jedem selbst überlassen.


Vorgestern an der Cala Varques, Mallorca
Vorgestern an der Cala Varques, Mallorca

Stille Gewässer gründen tief. So tief, dass es zu sozialer Isolation kommen kann, die uns menschlichen Wesen nicht gut tut - wie wir vor fünf, sechs Jahren alle am eigenen Leib erfahren haben. Es lohnt sich, in seine Stimme zu vertrauen, denn diese kann niemand anders für uns erheben. Auch wenn man manchmal denkt, man sei mit einer Meinung oder einer Sorge allein, und die Gedanken aus (unbewusster) Angst vor Ablehnung nicht kommuniziert: Vertraue darauf - du bist nicht allein. Denn es sind mehr Menschen von psychischen Herausforderungen betroffen, als man vielleicht denkt. 


Früher wäre ein Blog wie dieser für mich nicht in Frage gekommen. Gefühle habe ich als Musikerin in Songtexte verpackt, geschrieben habe ich als Journalistin - stets über das Aussen. Zwar habe ich meine Gefühle und Gedanken das ganze Leben hindurch schriftlich ausgedrückt - mittels meinem Tagebuch. Das war damals vielleicht auch der richtige Weg. Denn bevor ich anderen von mir erzähle, will ich in geschützter Umgebung zu mir selbst finden. Liebe dich selbst wie deinen Nächsten - doch lerne dich selbst zuerst lieben.

Oft ist der Weg zur Selbstliebe der aufrichtigste, wenn auch nicht der einfachste, um andere auf ehrliche, bedingungslose Art zu lieben.

Oft gilt es, die Stimme sich selbst gegenüber zuerst zu erheben, bevor wir damit rausgehen können oder wollen.


Letztens in Son Serra, Mallorca
Letztens in Son Serra, Mallorca

Was ich in meinem Leben immer wieder feststellen und mir selbst sagen durfte oder darf: Es hat es niemand leichter oder schwerer im Leben als du. Und auch wenn, so kannst du das nicht wissen. Niemand teilt dieselben Erinnerungen, Erfahrungen wie du, und niemand hat dasselbe Gefühlsleben oder die Art, damit umzugehen. Was ich damit sagen will: Jegliche Bewertung bringt uns in dieser Thematik nichts.

Das Leben an sich ist hart und mit schwerwiegenden Erfahrungen und Gefühlen verbunden. Heute gehen wir als Gesellschaft einfach anders damit um: Wir öffnen uns.

Wir sprechen über Gefühle, wie es vor hundert Jahren zu Kriegszeiten einfach noch nicht möglich war. Etwas Neues gewinnt an Relevanz, und zwar unsere Gefühle als Teil der Menschlichkeit, und als Teil einer Art "Aufgabe", die wir auf dieser Erde haben.


Gefühle und Gedanken haben Macht, doch insbesondere auch Worte haben Macht.

In einer Welt, in der auch im Internet alles geteilt wird, auch Böses, viel aus niederen Absichten Entstandenes, finde ich es um so wichtiger, als Mensch mit liebenden Absichten seine Stimme zu erheben.


Letztens an der Platja de Na Patana, Mallorca
Letztens an der Platja de Na Patana, Mallorca

Spannend finde ich unter diesem Aspekt auch, sich mal darauf zu achten, welche Worte wir täglich sprechen. Brüskieren wir uns manchmal selbst, indem wir unbewusst über uns selbst fluchen? Geben wir dem inneren Kritiker manchmal zu viel Raum, indem wir uns selbst kleinmachen? Andere kritisieren?


Worte haben vor allem unbewusst Macht. So kann es viel bringen, sich die liebenden Worte in die tägliche Meditation einzubauen. Das können Antworten sein auf Fragen wie: Wofür bist du dankbar? Wen oder was liebst du von ganzem Herzen? Was erfüllt dich mit Freude?


Mut zur eigenen Stimme zu haben, muss nichts mit der Öffentlichkeit zu tun haben. Sie beginnt bei dir, in deinem geschützten Raum. In Liebe. ♡

2 Kommentare


Roland
13. Apr.

Du erinnerst uns daran, dass Offenheit keine Schwäche ist, sondern eine Brücke zur echten Verbundenheit. So ein wertvolles Geschenk, das du mit deinen Worten weitergibst! Und damit eben auch Worte in die Weite der digitalen Welt sendest, die einen wundervollen Kontrast zu den lärmigen, abwertenden Botschaften darstellt. Und es ist so zentral, diese Art von sorgsamer und fürsorglicher Sprache auch in uns selber vermehrt vernehmbar zu machen. Danke und herzlich eine gute Meerzeit.

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Selina Moser
Selina Moser
14. Apr.
Antwort an

Sorgsame und fürsorgliche Sprache, das bringt es sehr schön auf den Punkt. Wenn wir diese Art achtsame Offenheit auch im alltgälichen Ausdruck kultivieren, können wir uns einander wieder näher kommen. Vielen Dank für die wertschätzenden Worte und liebe Grüsse von der Insel, Selina

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