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Gedicht: In diesem Moment

Nach einer langen Reise mit Fähre und Auto bin ich nun zurück in meiner Heimat in der Schweiz.

Erstaunt bin ich über die blühende Farbenpracht und darüber, wie die Natur sich innert zwei Wochen verändert hat.


Veränderung - die Konstante des Lebens?

Dass jeder Moment einzigartig ist, will ich mir stets bewusst sein.


Als ich also zurückkam und den ersten Spaziergang unternahm, habe ich Worte notiert und sie zum folgenden Text zusammengesetzt.


Gestern zu Hause
Gestern zu Hause

Dieser Moment

Alles, was ich bin

Der Wind, der Baum

Alles, was ich mich entsinn


In diesem Moment

Ist alles so

Im nächsten anders

Verwandelt schon


Alles ist alles

Laut und stumm

Leuchtend und strahlend

Die Bienen summ'n


Nichts bleibt

Und alles geht

Alles atmet

Ich blick mich um


Und ich bin nichts

Denn nichts ist alles

Und ich bin alles

Denn alles ist nichts


Ich fühle mich und meinen Körper

Achtsam nehm ich wahr, was ist

Sag mir immer wieder:

Dieser Moment, das bin ich


In diesem Moment

Bin ich Ewigkeit

Bin ich nicht Mensch

Nicht Ich, nur Raum


Bin ich alles

Was den Raum ausfüllt

Alles

Was die Erde umhüllt


Nichts ist im Aussen

Was auch in mir

Und nichts ist in mir

Das nicht auch da draussen


Und ich bin nichts

Denn nichts ist alles

Und ich bin alles

Denn alles ist nichts


Identität und Name und Alter

Allen Besitz und unser Denken

Alles nur geliehen

Nichts zu verlieren


Der Denker will sie behalten

Die Momente festhalten

Dinge sammeln und bewahren

Statt sie zu leben und zu erfahren


Dieser Moment

Was ist das nur?

Dieser Moment, das Leben pur

Doch Stop - Will doch nicht denken!


Nur wahrnehmen

Loslassen

Sehen

Dass ich bin


Und ich bin nichts

Denn nichts ist alles

Und ich bin alles

Denn alles ist nichts



Ewigkeit erfahre ich

In diesem Moment

Ich öffne mich, und lasse los

Ich bin


An diesem Ort

Wo nichts mehr bohrt

Wo alles schweigt

Nichts mehr rennt


Ich erkenne, was ich bin

Eins mit der Welt

Mit dem Baum und dem Wind

Sogar mit Dingen und Geld


Ruhe und Frieden

Kälte und Leid

Das alles im Aussen

Doch wahrhaftig in mir


Und ich bin nichts

Denn nichts ist alles

Und ich bin alles

Denn alles ist nichts


Ein Gefühl in mir

Die Liebe stark

Mein Herz geht auf

Strahlt und lacht


Auf dieser Welt

Bin ich inkarniert

Erfahre und fühle

Verletzlich und demaskiert


Hier bin ich zu Haus

Vieles vertraut

Wertungsfrei und neutral

Ohne Freud oder Skandal


Stell mich allem

Was kommen mag

Es kommt wie's kommt

Der Moment ist da


Und ich bin nichts

Denn nichts ist alles

Und ich bin alles

Denn alles ist nichts



19.4.26 / Selina

 
 
 

1 Kommentar


Roland
vor 7 Stunden

Dein Gedicht berührt tief – die Worte fließen wie der Wind durch die Bäume, voller Ehrfurcht vor dem Nichtgetrenntsein. Du hast den Moment erfasst ohne zu klammern: nichts ist alles, alles ist nichts. Ein wunderschöner Hinweis auf das Unendliche im Kleinen. Die Liebe in dir strahlt, und ich fühle mich verbunden. Danke für dieses leise Atmen in einer lauten Zeit. Und gutes Ankommen...

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