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Der Weg zum Roman: Ein Einblick in meine Schreibreise

vor 1 Tag
5 Min. Lesezeit

Meine Pläne für die Veröffentlichung meines Romans im Frühjahr 2027 nehmen immer mehr Form an. Wie sich das anfühlt? Es ist ein Gefühl von Kribbeln, von Aufregung, von Freude, von Ruhe zugleich.


Ich merke, dass sich mir mehr und mehr Türen öffnen, je mehr ich für meinen Traum lebe. So mache ich in letzter Zeit viele Bekanntschaften mit anderen Autoren, Lesenden, mit Selbständigen und einfach mit Menschen, die von der Energie her zu mir passen. Die Termine für Satz und Covergestaltung stehen fest und es kommen laufend Menschen auf mich zu, die mich in dieser Phase inspirieren und unterstützen.


In diesem Beitrag möchte ich euch auf meine Schreibreise mitnehmen und erzählen, welche Dinge meine Kreativität anspornen, was die Regelmässigkeit für den Schreibfluss für eine Rolle spielt und welche Überraschungen sich während meines Schreibprozesses gezeigt haben.


Zweite Überarbeitungsrunde auf Mallorca - hier habe ich im Oktober 2025 mit dem Rohentwurf begonnen.
Zweite Überarbeitungsrunde auf Mallorca - hier habe ich im Oktober 2025 mit dem Rohentwurf begonnen.

Ideen entwickeln: aus einem Mischmasch aus Erfahren, Leben und Denken


Vorneweg: Oft finde ich die Ideen, wenn ich nicht schreibe. Wenn ich in der Natur bin, wenn ich meditiere, Sport mache, Musik höre oder mit anderen Menschen zusammen bin. Manchmal spaziere ich mit meinem Hund im Wald und denke über den Dialog nach, den zwei meiner Figuren gerade miteinander führen. Durch Begegnungen, durch andere Menschen und durch die Natur kommen mir Eingebungen, mit deren Hilfe ich die Fäden weiterspinne. Wo kann ich noch mehr Tiefe reinbringen, welche Dialoge sind noch nicht in ihrer natürlichsten Version?


Manchmal lasse ich mich auch beim Lesen inspirieren. Beim Lesen anderer Bücher, oder von früheren Texten von mir. Was ebenfalls oft geschieht, ist, dass die Ideen während des Schreibens kommen. Ich schreibe weiter und weiter, und etwa so, wie ich mich direkt nach dem Aufwachen durch das Aufschreiben immer mehr an nächtliche Träume erinnern kann (siehe Beitrag „Luzides Träumen“), erinnere ich mich umgekehrt: Statt dass mir Vergangenes in den Sinn kommt, fällt mir künftig Geschriebenes ein.


Der kreative Prozess ist daher etwas sehr Spannendes, weil es ein Zusammenspiel zwischen Fühlen, Denken und Handeln ist. Wie die Gehirnwindungen in solchen Zuständen funktionieren, ist erstaunlich. Ein Gedicht zu schreiben, einen Songtext, oder überhaupt einen Text, fällt mir so leicht - wenn ich in diesem Zustand zwischen Denken, Fühlen und Handeln bin.


Im Schreibfluss bleiben


Das Schreiben fällt leichter, wenn ich im Fluss bin. Dann empfange ich die Ideen, als hätte ich mein Leben lang auf nichts anderes gewartet. Da ich selbst sehr lange in einer Schreibblockade gefangen war, weiss ich, dass das nicht selbstverständlich ist. Doch es muss ja nicht immer so extrem sein. Womöglich verliert man den Schreibfluss, wenn man zu lange mit dem Schreiben pausiert. Das war mir bewusst, als ich im Oktober letzten Jahres begonnen habe, meinen aktuellen Roman in seiner heutigen Form* aufs Papier oder in eine GoogleDocs-Datei zu bringen. So habe ich mir eine Vorgabe gegeben. Ich war drei Wochen auf Mallorca und konnte mich Tag und Nacht meiner Geschichte widmen.


*der Roman hatte vor dem eigentlichen Start bereits andere Formen - in einer anderen Erzählperspektive, mit anderem Geschlecht der Hauptfigur und in einer eher fantasymässigen Ausrichtung.


Inspiration geben mir auch meine eigenen Texte, die  im Verlauf der Jahre entstanden sind.
Inspiration geben mir auch meine eigenen Texte, die im Verlauf der Jahre entstanden sind.
Als ich zurückkam, sagte ich mir: 300 Wörter pro Tag. Mindestens.

Egal, wie viel auf der Arbeit oder im Privaten los ist. Egal, ob ich dafür früher aufstehen oder später ins Bett gehen muss. 300 Wörter pro Tag: So viel will ich schreiben, um in meinem Schreibfluss zu bleiben.


Diesen Schreibfluss zu behalten, gelang mir nicht zuletzt durch diese Vorgabe. Das war nicht nur einfach, denn schliesslich arbeite ich Vollzeit in einer Führungsposition, und auch mein Privatleben entwickelte sich so, dass ich mich manchmal richtig aus allem herausreissen musste, um an meinem Ziel dranzubleiben. 300 Wörter - egal, was es ist. Oft schrieb ich mehr. Manchmal das Zehnfache davon. Und manchmal halt wirklich nur das Minimum, was bei mir einem zeitlichen Aufwand von zehn bis fünfzehn Minuten entspricht. 


Ich habe mir im Rahmen dieser Vorgabe erlaubt, einfach daraufloszuschreiben - meiner Intuition folgend und dem, was sich für mich gerade stimmig anfühlt. Da ich zuvor auf Mallorca drei Wochen Vollzeit geschrieben habe und der härteste und auch thematisch schwerste Teil des Buches so gesehen schon da war - das Buch also Boden hatte -, fiel es mir relativ leicht, die Geschichte einfach chronologisch weiterzuschreiben. So gesehen hat es mir auch geholfen, eine Art Ordnung - oder kreative Ordnung, wenn man so will - in dem Schreibprozess zu haben. Das soll bedeuten, dass ich nicht siebenundsechzig zusammenhanglose Abschnitte „darauflosgeschrieben“ habe, sondern grundsätzlich chronologisch. Habe ich geplottet? Kaum. Ich hatte mir einen ungefähren Rahmen gesetzt, der sehr dehnbar und flexibel war, und anhand dessen habe ich meinen Rohentwurf niedergeschrieben.


Wörteranzahl vor dem Endlektorat im August 2026
Wörteranzahl vor dem Endlektorat im August 2026

Was der Schreibprozess in mir selbst verändert hat

Dieser Rohentwurf war noch weit entfernt von fertig. Jedoch: Witzigerweise ist das fertige Buch heute definitiv viel näher am Rohentwurf als an der darauffolgenden Überarbeitung.

Was ich nämlich nach der ersten Phase des Niederschreibens des Rohentwurfs getan habe, nachdem ich das Gefühl hatte, das sei alles zu intensiv und zu unmittelbar: Ich habe ihn massiv gekürzt. Mutig? Ich würde eher sagen - übermütig. So sehr, dass die Wörteranzahl auf gut die Hälfte der ursprünglichen Menge geschrumpft war - und dass die Emotionen, Gefühle und Einordnungen der Hauptfigur dabei zu kurz kamen. Als ich das realisiert habe - wohlgemerkt erst, nachdem ich den Roman das erste Mal in das Lektorat gab -, fiel mir ein grosser Stein vom Herzen.

Ich habe eingesehen: Ich muss mich selbst nicht kürzen. Ich muss Emotionen und Gedanken nicht kürzen.

Ich darf sie umschreiben, wenn sie mir zu intensiv oder zu verstörend erscheinen, und ja - Kürzung gehört auch dazu. Doch nicht in dem Masse, dass meine eigene intuitive Stimme sich dabei verändert und ich nur noch aus dem Kopf heraus überarbeite.


Nochmals ein halbes Jahr später wurde ich damit fertig, den ganzen Roman wieder zu überarbeiten und viele Teile des Rohentwurfs zu reintegrieren sowie Neues hinzuzufügen - der Roman war langsam bereit fürs Endlektorat. Dass meine intuitive Stimme in dem Roman Platz haben muss, um die Wirkung zu haben und die Energie zu transportieren, die ich mir wünsche: Das ist einer der Lernschritte, die ich während des Schreibens gemacht habe.


Ein weiterer Lernschritt geht noch viel tiefer. Und zwar haben sich meine Gefühle verändert. Ja: Es ist ein fiktiver Roman mit fiktiven Figuren, Handlungen und Dialogen. Und doch ist der Roman autobiographisch inspiriert. Meine eigene Geschichte ist gewissermassen darin verpackt. Den Roman zu schreiben war so gesehen in hohem Masse eine Aufarbeitung meiner Geschichte. Trotz der Fiktionalisierung verbinde ich die einen oder anderen Figuren mit Erfahrungen.

Die Figuren als eigenständige Protagonisten herauszuarbeiten, hat mir dabei geholfen, tiefen Frieden mit gewissen Erfahrungen zu schliessen.

Meine Figuren sind aus meiner Hand entstanden, und keine davon ist im echten Leben genau so, weil es sie eben nur als Romanfiguren gibt. Das Befassen mit meinen Figuren - immer und immer wieder - hat mir geholfen, eine neue Verbindung und Beziehung mit meinen Erfahrungen aufzubauen und mein Erlebtes zu verarbeiten.


Ein Porträt von mir, September 2026
Ein Porträt von mir, September 2026

So, und nun steht die Geschichte, und die letzten Schritte im Lektorat stehen an. Seit einiger Zeit beginne ich Schritt für Schritt, von meinem Roman zu erzählen, sodass die zu meinem Roman passenden Leser von seiner Existenz Wind bekommen. In einigen Tagen erhalte ich die letzten Änderungsvorschläge meiner Lektorin. Während ich darauf warte, bereitet es mir Freude, Content herauszuarbeiten, Bilderreihen und Reels für Social Media zu erstellen und über den Roman zu sprechen.


Ich höre oft, dass dieser Teil des Sichtbar-Machens des Buches für Autoren ein mühsamer Schritt sei. Bislang kann ich das nicht bestätigen. Im Gegenteil! Es bereitet mir richtig Freude - notabene, die Multimediaproduktion liegt mir auch und geht mir leicht von der Hand. Auch hier geht es darum, kreativ zu sein und sein Inneres nach Aussen zu tragen. Holz anfassen - dafür bin ich sehr dankbar. Ich merke, wie ich in den letzten Monaten eine professionelle Distanz zu dem Buch aufbauen konnte und jetzt bereit bin, das Buch loszulassen - als eigenständiges literarisches Kunstwerk.


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